· 

Angekommen

Viele Wege bin ich gegangen

Habe einige Kämpfe ausgefochten

Soviel Energie investiert!

Und hab doch nie das Ziel erreicht

 

Suchend, rennend

Ausser Atem – keine Zeit

Wo und was ist das Nächste?

Wer hat die Antworten?

 

Gesucht und gefragt

Geweint und geschrien

Nichts wirklich verstanden und

Mich auf ewig im Kreis gedreht

 

Der erhellende Lichtschein ging weit voraus

Leuchtete Höhlen und Schatten hell aus

Doch blieben immer noch Berge

Berge von mir selbst – mir selbst im Wege

 

Nun, da ich angekommen

Weiss ich, dass alle Wege wohl nötig waren

Alles Suchen und Fragen

Jede Träne und jedes Lachen hatte seinen Platz

 

Bin mein Ich nicht losgeworden

Tappe vielleicht noch immer unbeholfen dahin

Doch eines hat sich ganz bestimmt geändert

Ich bin Zuhause, wo ich bin

 

Ich fand die Antworten

Dort, wo ich sie am wenigsten gesucht hätte

Ich fand das Licht im grössten Kummer

Tief in mir drin

 

Es ist nicht draussen

und es war schon immer da

Es wartet nur darauf, bemerkt zu werden

Dieses Licht, dieser Diamant, tief in uns drin

 

Ein jeder ist bei sich Zuhause und

kann Liebend sein zu sich selbst

Wir alle haben diesen Stern

Der uns leuchtet und uns den Weg zeigt

Tunesien, 24. Januar 2007

 

 

L i b e l l e n t a n z

 

Wir Libellen hüpfen in die Kreuz und Quer, auf den Quellen und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz; unser Leben ist ein einz'ger Reigentanz.

Wir ernähren uns am Strahl des Sonnenlichts, und begehren, wünschen, hoffen weiter nichts.

Mit dem Morgen traten wir ins Leben ein; ohne Sorgen schlafen wir am Abend ein.

Heute flirren wir in Freud' und Sonnenglanz; morgen schwirren andre hier im Reigentanz.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben