· 

Tanz

Der Vorhang tut sich auf

Ich erblicke nackte Haut

Schimmernd im diffusen Licht

 

Vibrierend erwarte ich deine Hand

Berührung – Haut auf Haut

Die Wärme deines Körpers nah bei meinem

 

Dein Atem zeigt mir deinen Rhythmus

Ich suche dich – berühre dich

Ungeduld lässt mich erschauern

 

Reiben will ich meine Haut an deiner

Spüren deine Kraft und Stärke

Erahnen deine Sanftheit und dein Wille

 

Meine Finger gehen auf Wanderschaft

Suchen auf deinem Körper nach verborgenen Oasen

Und ertasten seidene Haut an versteckten Stellen

 

Wo fängst du an, wo hör ich auf

Der Wunsch nach Auflösung lässt unsere Körper sich winden

Bitte, führ mich weiter durch dieses Land

 

Lippen, die flüstern

Zungen, die zirpen

Hände, die flirten

 

Das Blut rauscht in meinen Ohren

Enthoben der Welt und den Gesetzen

Das Begehren der Körper bestimmt das Geschehen

 

Dieser Tanz enthebt uns der Welt

Und verspricht uns den Himmel

Dieser Tanz ist frei vom Morgen und frei vom Gestern

Er vereint uns im Hier und Jetzt

Tunesien, 27. Januar 2007

 

 

L i b e l l e n t a n z

 

Wir Libellen hüpfen in die Kreuz und Quer, auf den Quellen und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz; unser Leben ist ein einz'ger Reigentanz.

Wir ernähren uns am Strahl des Sonnenlichts, und begehren, wünschen, hoffen weiter nichts.

Mit dem Morgen traten wir ins Leben ein; ohne Sorgen schlafen wir am Abend ein.

Heute flirren wir in Freud' und Sonnenglanz; morgen schwirren andre hier im Reigentanz.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben