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Uralter Schmerz

Altbekanntes Gefühl, war doch schon immer da

Doch meist nicht erkannt und ganz weit weg

Alter Kumpel, dir kann ich wohl nicht entfliehen

Tiefer Seufzer, dich muss ich nun einbeziehen

 

Ein Mahnmal im Gesicht,

von aussen gut zu sehen

Ein Leben mit einem Riss, direkt ins Herz

Willkommen zurück, uralter Schmerz

 

Jahrzehnte mit nicht hinschauen,

Momente, die es galt zu überbrücken,

Doch dann, auf einmal, geht das nicht mehr

Es tut zu weh und bräuchte soviel an Gegenwehr

 

Der Schmerz ist zu gross,

die Wunde offen und blutend

holt sich seine ganze Aufmerksamkeit,

will endlich erkannt sein und nicht nur Leid

 

Heile mein goldenes Kind,

wisse um deinen Platz

Wisse, Liebe, das bist Du

Du bist ganz und golden immerzu

 

Gerade jetzt im Schmerz

Liebe für dich, Liebe für mich

Ein Same wächst und gedeiht,

die Wunde heilt und weiht

 

Wenn die Liebe ganz ist, wenn sie da ist

zu dir, zu ihm und zu all dem

dann ist sie doch da,

dann war sie schon immer und ist einfach wahr

 

Ein Schmerz kann sich wandeln

kann sich wandeln in goldenes Licht

Das Leid kann sich wandeln

und wird zum Gedicht

La Chapelle-Thècle, 29. Mai 2012

 

 

L i b e l l e n t a n z

 

Wir Libellen hüpfen in die Kreuz und Quer, auf den Quellen und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz; unser Leben ist ein einz'ger Reigentanz.

Wir ernähren uns am Strahl des Sonnenlichts, und begehren, wünschen, hoffen weiter nichts.

Mit dem Morgen traten wir ins Leben ein; ohne Sorgen schlafen wir am Abend ein.

Heute flirren wir in Freud' und Sonnenglanz; morgen schwirren andre hier im Reigentanz.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben