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Der innere Ruf

Zerrupfter Vogel,

durchgeschüttelt vom Wind,

zerzaust vom Leben.

 

Du hättest fliegen sollen

weit weg und hoch hinaus

über alle Berge, ganz verwegen

 

Es flatterte und posaunte aus

gegen den Wind und alle gute Vernunft

Machte sich vor, es sei ein flüchtiger Kuss nur

 

Das Leben aber hörte vom inneren Ruf

Hörte die leise Stimme unter dem Getöse

Und flugs, stand es da und klopfte an die Tür 

 

Nun galt es, sich zu besinnen

Was will ich? Wer bin ich? 

Kann ich es wirklich?

 

Das Leben, verkleidet als Liebe und Vertrauen

stand als Gesell auf der Matte

bat um Einlass und um Gehör

 

Es gibt mich nur einmal, so ganz und gar

Nimm mich jetzt oder lass es sein

Aber wisse, du bist es selbst, auf immerdar

Silvana, April 2018

 

L i b e l l e n t a n z

 

Wir Libellen hüpfen in die Kreuz und Quer, auf den Quellen und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz; unser Leben ist ein einz'ger Reigentanz.

Wir ernähren uns am Strahl des Sonnenlichts, und begehren, wünschen, hoffen weiter nichts.

Mit dem Morgen traten wir ins Leben ein; ohne Sorgen schlafen wir am Abend ein.

Heute flirren wir in Freud' und Sonnenglanz; morgen schwirren andre hier im Reigentanz.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben