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Wenig Worte

Vielredner schaffen mit ihrem vielen Reden keine Verbindung zu den anderen. Im Gegenteil: Sie spalten die Menschen. Sie halten sich die anderen mit ihren vielen Worten vom Leib: "Um einander zu verstehen, brauchen die Menschen nur wenige Worte. Viele Worte brauchen sie nur, um sich nicht zu verstehen." So eine indianische Weisheit, die universal gültig ist. Wenige Worte, die der andere versteht, schaffen eine tiefe Beziehung zum anderen. Worte sind Träger der Kommunikation. In Worten kommen wir uns näher. Aber wenn einer gar nicht aufhört zu reden, haben wir den Eindruck, dass wir keinen Fuss in die Tür zum Anderen bringen. Wir finden keinen Kontakt zu ihm. Er hält uns mit seinen vielen Worten auf Distanz. Seine Worte schaffen keine Kommunikation. Sie wollen vielmehr verwirren, damit ich mich im Nebel der Worte verliere und dem anderen nicht zu nahe komme. 

Anselm Grün 

 

L i b e l l e n t a n z

 

Wir Libellen hüpfen in die Kreuz und Quer, auf den Quellen und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz; unser Leben ist ein einz'ger Reigentanz.

Wir ernähren uns am Strahl des Sonnenlichts, und begehren, wünschen, hoffen weiter nichts.

Mit dem Morgen traten wir ins Leben ein; ohne Sorgen schlafen wir am Abend ein.

Heute flirren wir in Freud' und Sonnenglanz; morgen schwirren andre hier im Reigentanz.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben