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Adieu

Nun ist es soweit. 

Meine Zeit in Maison Libellule ist in wenigen Tagen um. 

Es ist (fast) alles gepackt, die Container sind voll, es ist geräumt und geputzt. Am Donnerstag wird mein Hab und Gut, was "lediglich" 2 x 15m2 umfasst, an einen neuen Standort verfrachtet. Ich und zwei liebe Frauen werden ebenso, aber unabhängig voneinander, den gleichen Weg antreten. Ich mit Umweg über den Notar und die beiden Mädels, Angela und Stefanie, zusammen mit den Katzen, direkt nach Issy L'Évêque.  

Mein Leben erfährt eine grosse Veränderung. Man könnte es zwar auch als reine Kulissenveränderung betrachten, aber dennoch ist es stark spürbar und für mich ein grosser Schritt. Denn es ist ja nicht nur die Kulisse, bzw. die Umgebung. Es ist auch eine Art Neubeginn. Und es ist ein neues Zuhause. 

Ich breche gerne dahin auf. Hab ich das schon mal gesagt? Ich glaube nicht, aber oh ja, ich freue mich über alles, neu anfangen zu dürfen. Ich freue mich auf den neuen anderen Boden, auf die neuen Düfte, die anderen Aussichten, ein anderes Empfinden. Ich freue mich darauf, mich neu zu verwurzeln, neue Menschen kennenzulernen, neue Verbindungen und Bezüge einzugehen. Ich freue mich so sehr, dass ich mich immer wieder ein wenig zügeln muss, weil ich die Dinge, die hier zur Zeit noch gefragt sind, gut über die Bühne bringen will. 

Nebst dieser Vorfreude schwingt auch dieser kleine Schmerz mit. Seit mehr als einem Jahr weiss ich, dass ich Maison Libellule übergeben werde. Der Prozess des Abschiednehmens wurde da schon eingeleitet. Ich hatte also viel Zeit, um mitzuwachsen. Nun, wo der Herbst Einzug in den Garten hält, finde ich es sehr passend, auch mich , zurückzuziehen. Der Garten geht in die Ruhe, zieht sich zurück, sammelt seine Kräfte unter dem Boden, um für viele weitere Jahre und immer wieder aufs Neue parat zu sein. So geht es auch mir. Ich zieh mich innerlich von "meinem" Garten zurück, werde still und atme aus. Es ist ein tiefes Ausatmen, dass Raum schafft für das erneute Einatmen. Es ist eine Bewegung von aussen nach innen, es schwingt ein wenig Melancholie mit, ein wenig Trauer, denn es ist auch immer ein Sterben, ein Loslassen und sich Hingeben. Im Vertrauen darauf, dass das Rad des Lebens, die Natur und alles Bewegte, auch wieder nach oben schwingt. Und so ist es gut. Ein leichtes Schaudern überkommt mich, wenn ich in den Garten schaue. Er ist so schön. Gerne würde ich ein wenig von dieser Schönheit einpacken und mitnehmen. Doch das geht nicht. Die Schönheit ist hier, weil sie so eingewachsen ist. In vielen Jahren entstanden und geformt. Am anderen Ort, im neuen Leben, da weiss ich nicht wirklich, wie viel Schönes es schon hat. Ich habe einen flüchtigen Blick darauf werfen können. Und es hat Vielversprechendes... ja, das hat es. Aber es darf auch noch so einiges entstehen. Ich werde wieder Bäume und Sträucher, Blumen und Gräser pflanzen, in viele Löcher Pflanzen setzen mit dem Wunsch, dass daraus wieder viel Schönes und Erfülltes entsteht. 

Und dies gibt mir das Stichwort für mein jetziges Empfinden. Voll. So voller Fülle! So fühle ich mich, das empfinde und sehe ich, wenn ich in den Garten schaue. 

Nun sag ich allem und allen Adieu.... 

In grosser Dankbarkeit, ein immerwährender Teil dieses Wunders sein zu dürfen! 

Allerherzlichste letzte Grüsse aus Maison Libellule

Silvana

 

L i b e l l e n t a n z

 

Wir Libellen hüpfen in die Kreuz und Quer, auf den Quellen und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz; unser Leben ist ein einz'ger Reigentanz.

Wir ernähren uns am Strahl des Sonnenlichts, und begehren, wünschen, hoffen weiter nichts.

Mit dem Morgen traten wir ins Leben ein; ohne Sorgen schlafen wir am Abend ein.

Heute flirren wir in Freud' und Sonnenglanz; morgen schwirren andre hier im Reigentanz.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben