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Kloster Schloss Salem

Vor wenigen Tagen hatten wir diese Klosteranlage entdeckt und uns gedacht, dass wir unbedingt nochmals kommen wollen, um es in aller Ruhe anzusehen. Gestern war dies der Fall. Doch oh Schreck! Alles verriegelt! Dort, wo wir vorher noch ungeniert hereinspazieren konnten standen nun mannshohe Gitter, und zwar überall. Die Rede ist nicht von Schlossgärten oder Gebäuden, sondern von den Gassen rund um die klösterlichen Anlagen, wohlverstanden. Und klar, dass man nur reinkam, wenn man getestet usw. war. Wir waren ziemlich frustriert und diese Gitter kamen bei mir ziemlich schräg an. Wir gingen nochmals in den dazugehörigen Shop, wo ich einer der Damen an der Kasse mein Unverständnis und meinen Frust mitteilte. Sie sagte mir in eher leiserem Ton, dass zwei der Tore täglich ab 18 Uhr wieder geöffnet werden und auch bis am nächsten Morgen um 9 Uhr offen bleiben. Die Verriegelungen passieren auch erst in der eigentlichen Saisonzeit, also von Mai bis Oktober.

Also nutzten wir die Zeit und fuhren an den Schlosssee, um die zwei Stunden bis zur Toröffnung in der Nähe zu verbringen. Ich war glücklich, über dieses kleine Gespräch doch noch einen Lichtblick erhalten zu haben! Schade zwar, dass wir den botanischen Garten nicht besuchen konnten, aber alle anderen Gebäude und die majestätischen Bäume trafen wir später bei schönsten Lichtverhältnissen an.  

 

 

L i b e l l e n t a n z

 

Wir Libellen hüpfen in die Kreuz und Quer, auf den Quellen und den Bächen hin und her.

Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz; unser Leben ist ein einz'ger Reigentanz.

Wir ernähren uns am Strahl des Sonnenlichts, und begehren, wünschen, hoffen weiter nichts.

Mit dem Morgen traten wir ins Leben ein; ohne Sorgen schlafen wir am Abend ein.

Heute flirren wir in Freud' und Sonnenglanz; morgen schwirren andre hier im Reigentanz.

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben